Lesetipp: DVFA-Monatsfrage April - OK, aber warum so spät, und warum so wenig? – Generationenkapital wird grundsätzlich begrüßt, aber noch viele Fragen offen

Aus aktuellem Anlass möchten wir auf die nachstehende, hier abrufbare Veröffentlichung des DVFA e. V. vom 9. April 2024 hinweisen:


DVFA-Monatsfrage April: OK, aber warum so spät, und warum so wenig? – Generationenkapital wird grundsätzlich begrüßt, aber noch viele Fragen offen

Bei der neuesten Monatsfrage wurden die DVFA Investment Professionals danach gefragt, was sie von dem Rentenpaket der Bundesregierung und dem darin enthaltenen „Generationenkapital“ zur Unterstützung der staatlichen Rentenfinanzierung halten. „Klar, die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Für viele Investment-Experten ist die Diskussion über die kapitalgedeckte Altersvorsorge jedoch gefühlt schon etwa so alt wie dieses Sprichwort von Laotse“, umschreibt Roger Peeters, Vorstand der DVFA, die Ergebnisse der Befragung. „‘Zu spät, zu wenig‘, das war der Tenor vieler Anmerkungen, die wir bekamen. Andererseits überwiegt klar die Meinung, dass der jetzt endlich gemachte Anfang wichtiger ist als die Einzelkritik am Konzept.“


Guter Ansatz, doch es muss nachgelegt werden

Eindeutig ist jedenfalls das Ergebnis zur Frage nach der Gesamteinschätzung: „Die Idee ist gut. Jedoch kann es nur ein zaghafter Anfang sein. Spätestens nach der nächsten Wahl müssen Beiträge in nennenswerter Form in das kapitalgedeckte System überführt werden.“ Diesem Antwortvorschlag stimmten die Teilnehmer der Befragung mit rekordverdächtigen 95,5 % zu.


Schuldenfinanzierung stößt auf wenig Gegenliebe

Aus den Anmerkungen vieler Teilnehmer spricht jedoch Skepsis gegenüber der weitgehenden Schuldenfinanzierung des Generationenkapitals und der damit verbundenen geringeren Rendite. Dass daneben der Bund bis 2028 in Höhe von 15 Mrd. Euro auch eigene Vermögenswerte zum Beispiel in Form von Unternehmensbeteiligungen in den neuen Fonds einbringen soll, halten fast drei von vier der antwortenden Investment Professionals für einen guten Vorschlag (73 %). Denn mit Eigenkapital habe der Bund sozusagen „skin in the game“. Rund jeder Achte (13 %) sieht das dagegen kritisch. Und knapp 15 Prozent haben dazu noch kein Urteil.


Volumen sollte deutlich erhöht werden

Danach gefragt, was an dem Konzept noch geändert werden sollte, entfiel die Hälfte der Antworten darauf, das Volumen des Generationenkapitals alsbald deutlich zu erhöhen. Einer von fünf Antwortenden (22 %) sprach sich gegen die Kreditfinanzierung der Aktienkäufe in dem neuen Fonds aus. Der Bund müsse die Mittel vielmehr aus dem bestehenden Budget nehmen. Und mehr als jede vierte Antwort forderte, dass auch Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen (28 %).

In einigen Kommentaren der Teilnehmer wird kritisiert, eine staatsfinanzierte kapitalbasierte Altersvorsorge könne zum jetzigen Zeitpunkt das Demographieproblem nicht mehr lösen. Es sei einfach zu spät. Zugleich funktioniere aber auch der Generationenvertrag nicht mehr. Umso wichtiger sei es, die eigenverantwortliche Vorsorge der Bürger zu forcieren, so mit steuerlichen Vorteilen, etwa nach australischem oder US-Vorbild (401 k-Pläne).


Breite Streuung der Anlagen wichtig

Auch zu den Anlagerichtlinien gingen die Meinungen relativ wenig auseinander: Deutlich über die Hälfte der Antwortenden (57 %) sprach sich dafür aus, das „Kapital (sei) kostengünstig breit gestreut anzulegen, und zwar weltweit und in alle möglichen Segmente und Branchen“. Immerhin fast 18 % wollen dabei jedoch ESG-Prinzipen eingehalten wissen. Fast genauso viele (17 %) vertraten die gegenteilige Auffassung, es gehe „um Rendite, nichts anderes“. In den Anmerkungen zu diesen Fragen ging es auch um die strittige Frage, ob und inwieweit deutsche Unternehmen bei den Investments bevorzugt werden sollten, im Interesse des Standorts und der deutschen Wirtschaft insgesamt. Doch nur etwa jeder Zwanzigste der Befragten sprach sich dafür aus (6 %).

„Bei diesem Thema ist vermutlich jedem klar, dass das mit Schulden und einigen Eigenkapitalbeteiligungen des Bundes finanzierte Generationenkapital nur ein erster Kompromiss ist. Und dass die geplanten 200 Mrd. Euro kaum ausreichen werden, um Rentenniveau und Beitragssätze nachhaltig zu stabilisieren“, fasst Roger Peeters das Ergebnis der Monatsfrage so zusammen „Es ersetzt vor allem nicht die eigentliche, privat finanzierte Aktienrente. Denn dafür müssten die individuellen Rentenbeiträge für ebenso individuelle, kapitalgedeckte Rentenansprüche verwendet werden. Leider fehlt bis heute eine breite Aufklärungskampagne der Regierung. Denn die ebenso reflexartige wie falsche Polemik gegen sogenannte „Casino- und Zockerrenten“ sollte endlich aufhören. Hier wäre ein schlüssiges, bundesweit umsetzbares Konzept zur Wirtschafts- und Finanzbildung hilfreich. Ich befürchte jedoch, dass es bis zu einer ‚echten‘ Teilhabe der Rentner an der realen Wertschöpfung der Wirtschaft noch dauern wird.“



Veröffentlichungsdatum: 29.04.2024 - 08:00
Redakteur: jni
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